Die Weltmeisterschaft in Aachen ist vorbei und bietet viel Stoff zur sportlichen Analyse. Aber über die Ergebnisse und Leistungen hinaus liefern die 25 Finalisten auch interessante Einblicke in die Zucht hinter den heutigen Spitzenspringpferden. Nun, da das Finale vorbei ist, werfen wir einen genaueren Blick auf einige Fakten und Zahlen zu den Pferden, die es bis ins Finale geschafft haben.
25 Paare kamen ins Finale: 6 Reiterinnen und 19 Reiter, geritten wurden 7 Stuten, 14 Wallache und 4 Hengste. Prozentual unterscheidet sich das nicht wesentlich von der ursprünglichen Masterliste mit 150 Pferden.
Bei den Verbänden waren KWPN und Selle Français mit jeweils vier Finalisten am stärksten vertreten. Das überrascht kaum, angesichts ihrer starken Präsenz auf der Ausgangsliste (32 KWPN- und 22 Selle Français-Pferde). Erwähnenswert ist auch, dass beide SBS-Vertreter das Finale erreichten.
Betrachtet man die ursprünglichen Zuchtgebiete der 25 Finalisten, führen eindeutig Holsteiner Blutlinien mit 9 Vertretern. Es folgen niederländische Linien mit 5, Hannoveraner mit 4, französische Linien mit 3, Oldenburger mit 2 sowie Irland und Belgien mit je 1. Iron Dames Sinclair lässt sich letztlich auf eine Vollblut-Stutenlinie zurückverfolgen.
Die Alter der Pferde: Glücklicherweise waren keine 9- oder 10-Jährigen im Finale. Wir hatten 7 Elfjährige, 4 Zwölfjährige, 6 Dreizehnjährige, 3 Vierzehnjährige, 3 Fünfzehnjährige, 1 Sechzehnjähriges und 1 Achtzehnjähriges. Also keine großen Überraschungen.
Auch das Alter der Mütter bei der Geburt der Finalpferde ist interessant. 80 % der Stuten waren 10 Jahre oder jünger, und keine einzige Stute war 14 Jahre oder älter. Dieses Bild entspricht weitgehend der größeren Ausgangspopulation. Auffällig ist außerdem, dass die Mütter der drei Podiumsplatzierten bei der Geburt ihrer Champions nur 7, 6 bzw. 6 Jahre alt waren.
Was die Pedigrees betrifft: 24 verschiedene Hengste zeichnen für die Vaterlinien der 25 Finalisten verantwortlich, nur Cornet Obolensky ist zweimal vertreten. Auffällig ist die Mischung aus sehr bekannten Hengsten und einigen deutlich weniger modischen Namen. Interessanterweise fehlen die sogenannten „sexy Auktionhengste“ nahezu vollständig. Das dürfte eine kleine Ermutigung für den kleineren, leidenschaftlichen Züchter sein, seinen eigenen Weg weiterzugehen und dem eigenen Zuchtprogramm zu vertrauen. Dieses Muster hatte ich bereits mehr oder weniger in der ursprünglichen Masterliste bemerkt.
Bei den Muttervätern sind vier Hengste zweimal vertreten: Quidam de Revel, Darco, Cassini II und Numero Uno.
Zehn der 25 Zuchtstuten haben selbst im Sport gelaufen: 3 bis 1,30 m, 2 bis 1,35 m, 2 bis 1,40 m, 1 bis 1,55 m (Irivola del Maset) und 2 bis 1,60 m (LT Holst Freda und Iron Dames Sinclair). Auch das unterscheidet sich nicht wesentlich von der Ausgangsliste, in der 54 der 150 Stuten selbst am Sport teilgenommen hatten — darunter 17 bis 1,50 m, sowie je welche bis 1,55 m oder 1,60 m.
Diese Fakten und Zahlen sollen natürlich nicht den Erfolg vorhersagen oder definieren, was ein Spitzenpferd ausmacht. Zucht ist dafür zu komplex, und jedes Pferd hat seine eigene Geschichte. Der Blick auf Pedigrees, mütterliche Linien und Leistungshintergründe dieser Finalisten liefert jedoch spannende Erkenntnisse — und vielleicht ein paar Anhaltspunkte für Züchter. Letztlich geht es bei der Weltmeisterschaft um Leistung, aber hinter jedem Pferd in der Arena steht eine Zuchtgeschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Dieser Artikel wurde von Ben Verheij verfasst