Preisgelder sind eine der einfachsten Möglichkeiten, den finanziellen Erfolg einer Springreiter-Karriere zu messen. Sie erzählen natürlich nicht die ganze Geschichte, aber über längere Zeiträume können sie etwas über Konstanz, Langlebigkeit und die Fähigkeit aussagen, auf höchstem Niveau zu bleiben.
Anhand des Hippomundo Riders Ranking und der Top-10-Reiter nach Preisgeld für jedes Jahr von 2016 bis 2025 lässt sich nachvollziehen, wie sich das Bild dieses Sports im vergangenen Jahrzehnt verändert hat. Manche Namen waren fast ständig vertreten, andere erlebten eine spektakuläre Hochphase an der Spitze, bevor sie von der Liste verschwanden.
Scott Brash: der beständigste Großverdiener des Jahrzehnts
Wenn ein Name dieses Ranking prägt, dann ist es Scott Brash. Der britische Reiter taucht 2016, 2017, 2021 und 2025 in den Top 10 auf und kehrte zuletzt mit außergewöhnlichen €3.516.868 Preisgeld sogar an die Spitze zurück.
Tatsächlich führt Brash auch das aktuelle 365-Tage-Ranking an, mit €3.610.416. Seine Zahl für 2025 ist damit nicht nur der höchste Betrag in den übermittelten Jahresrankings, sondern liegt auch deutlich vor dem zweitplatzierten Kent Farrington.
Brashs Jahrzehnt ist besonders interessant, weil seine Spitzenauftritte über den gesamten Zeitraum verteilt sind. Er war 2016 Nummer eins, blieb 2017 in den Top 10, verschwand für mehrere Jahre aus der jährlichen Top 10 und kam 2025 mit voller Wucht zurück.
Er ist bei Weitem nicht der einzige Reiter, der eine solche Langlebigkeit zeigt.
Die Namen, die immer wieder auftauchen
Mehrere Reiter haben Konstanz auf höchstem Niveau in eine beeindruckende Präsenz über ein ganzes Jahrzehnt verwandelt.
Daniel Deusser ist vielleicht das klarste Beispiel. Der Deutsche steht 2016, 2018, 2019, 2020, 2021, 2022 und 2024 in den Top 10 — siebenmal in zehn Jahren. Er war 2019 (€2,67 Mio.), 2021 (€1,52 Mio.) und 2022 (€2,45 Mio.) auf Platz eins.
Kent Farrington ist ein weiterer Stammgast. Er erscheint 2016, 2017, 2020, 2021 und 2025 in den Top 10, darunter zwei Spitzenplatzierungen. Seine €1,89 Mio. in 2017 und €2,47 Mio. in 2025 zeigen, wie hoch seine Verdienstgrenze sein kann.
Steve Guerdat ist in fünf Ausgaben vertreten, während Harrie Smolders, Ben Maher, McLain Ward, Martin Fuchs, Julien Epaillard, Henrik von Eckermann und Darragh Kenny ebenfalls mehrfach auftauchen.
Das ergibt ein interessantes Bild: Die Reiter, die konstant am meisten verdienen, sind nicht unbedingt diejenigen, die eine einzelne Saison dominieren, sondern diejenigen, die über mehrere Pferdegenerationen hinweg wettbewerbsfähig bleiben.
Von etablierten Stars zu einer neuen Generation
Die Rankings zeigen auch einen klaren Generationswechsel.
2016 dominierten etablierte Namen die Top 10: Scott Brash, McLain Ward, Christian Ahlmann, Daniel Deusser, Kent Farrington und Marcus Ehning standen alle unter den ersten sechs.
Bis 2025 waren einige dieser Namen aus den Top 10 verschwunden, während eine jüngere Generation aufgestiegen war. Gilles Thomas und Richard Vogel sind besonders auffällige Beispiele. Thomas kletterte bis auf Rang vier mit fast €2 Mio., während Vogel nach Platz sieben in 2023 in die Top 10 eintrat.
Das aktuelle 365-Tage-Ranking setzt diesen Trend fort. Vogel liegt jetzt mit €2,88 Mio. auf Platz zwei, Thomas ist mit €1,61 Mio. Sechster.
Christian Kukuk und Richard Vogel stehen damit für mehr als nur neue Namen auf der Liste: Sie zeigen, wie schnell ein Reiter in die finanzielle Elite aufsteigen kann, wenn die richtige Kombination aus Form, Pferden und Chancen zusammenkommt.

2020: das Jahr, das das Muster durchbrach
Eine Zahl fällt beim Vergleich der Jahreswerte sofort ins Auge.
Von 2016 bis 2019 lag das kombinierte Preisgeld der Top 10 zwischen etwa €12,5 Mio. und €18,1 Mio. 2020 aber verdienten die Top 10 zusammen nur €4,36 Mio.
Das ist mit Abstand der niedrigste Wert des Jahrzehnts.
Der Grund ist offensichtlich: 2020 wurde durch die COVID-19-Pandemie stark gestört, der internationale Turnierkalender wurde drastisch reduziert. Der Effekt zeigt sich auch auf individueller Ebene. Julien Epaillard führte das Ranking mit €706.755 an — weniger als die Hälfte von Scott Brashs Siegessumme aus 2016.
Die Erholung verlief schnell. Das kombinierte Preisgeld der Top 10 stieg auf €11,64 Mio. in 2021, €14,91 Mio. in 2022 und €17,25 Mio. in 2023.
Bis 2025 erreichte es mit €19,50 Mio. einen Jahrzehnethöchstwert.
Wer sind die wirklichen Millionäre des Jahrzehnts?
Ein Blick über alle zehn Jahresrankings hinweg statt auf einzelne Saisons fokussiert, ergibt ein noch klareres Bild.
Auf Basis der für 2016–2025 gelieferten Preisgeldzahlen ist Daniel Deusser der größte kumulative Verdiener unter den Reitern, die wiederholt in diesen Rankings auftauchten, gefolgt von einer Gruppe um Kent Farrington, Scott Brash, Martin Fuchs und Henrik von Eckermann.
Die Zahlen brauchen allerdings Kontext: Es handelt sich um die Top-10-Jahreswerte, nicht um die vollständigen Karriereerlöse. Sie messen also, wie viel jeder Reiter in den Saisons verdient hat, in denen er in den übermittelten Top 10 erscheint — nicht sein gesamtes Karrierepreisgeld.
Ein Reiter sticht statistisch besonders hervor: Daniel Deusser taucht siebenmal in den Top 10 auf, mehr als jeder andere in dem gelieferten Jahrzehnt.

Europa dominiert weiterhin — aber die Landkarte ist international
Die Top 10 sind stark europäisch geprägt: Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Schweden, die Schweiz, Irland, Italien, Großbritannien und Österreich sind im Laufe des Jahrzehnts vertreten.
Die USA sind die wichtigste nicht-europäische Kraft, vor allem durch Kent Farrington und McLain Ward, mit Laura Kraut, die 2025 ebenfalls auftaucht. Brasilien ist durch Yuri Mansur und Marlon Modolo Zanotelli vertreten.
Deutschland war wahrscheinlich die konstanteste Nation im gesamten Jahrzehnt. Reiter wie Deusser, Ahlmann, Ehning, von Eckermann, Kukuk und Weishaupt belegten wiederholt Spitzenpositionen.
Die Niederlande, Frankreich, die Schweiz, Irland und die USA sind ebenfalls Jahr für Jahr vertreten, was unterstreicht, wie konzentriert die Spitze des internationalen Springreitsports rund um eine Handvoll führender Nationen bleibt.
Ein Jahrzehnt wechselnder Namen, aber vertrauter Spitzenreiter
Vielleicht die wichtigste Schlussfolgerung aus den Rankings ist, dass sich der internationale Springsport in den vergangenen zehn Jahren stark verändert hat, die absolute Spitze aber bemerkenswert schwer zu durchdringen bleibt.
Einige Reiter — Deusser, Farrington, Brash, Guerdat, Maher, Smolders, Ward und andere — sind immer wieder in den Millionärsclub zurückgekehrt. Zugleich zeigen Reiter wie Vogel, Thomas und Kukuk, dass eine neue Generation nun ihren Platz unter den größten Verdienern des Sports einnimmt.
Und nach der außergewöhnlichen Störung 2020 ist die finanzielle Obergrenze des Sports wieder gestiegen. 2025 brachte das höchste kombinierte Top-10-Preisgeld des Jahrzehnts, während das jüngste 365-Tage-Ranking bereits mehrere Reiter über die €2-Millionen-Marke katapultiert hat.
Die Namen mögen wechseln, aber eines bleibt gleich: Um zu einem der wirklichen Großverdiener des Springsports zu werden, reicht ein Sieg nicht — dauerhaft an der Spitze zu bleiben, ist das, was sich auszahlt.