René Tebbel, der 1990 Vizeweltmeister in Stockholm wurde, gab uns einen Einblick in sein Leben mit der globalen Pandemie im Hintergrund und teilte uns seine Gedanken bezüglich der kommenden Decksaison mit. Er und auch seine Kinder Maurice und Justine Tebbel haben sich bereits einen Namen in der Welt der Springreiter gemacht und reiten auf höchstem Niveau. Nebenbei führt René Tebbel eine eigene Deckstation in Emsbüren, Deutschland, mit bis zu 20 Top Deckhengsten. Nachkommen der eigenen Zucht sind bis in den großen Sport vertreten und liefern bereits vielversprechende Ergebnisse.
Maurice, Justine & René Tebbel ©* Hengststation Tebbel
Wie haben Sie das Jahr 2020 mit der globalen Pandemie erlebt? Wie hat sich die COVID-19-Pandemie auf Sie ausgewirkt?
Auf mich persönlich hat sich die Pandemie sehr stark ausgewirkt. Ich war im Jahr 2020 insgesamt auf nur vier Turnieren, wo ich sonst zu ca. 20-25 Turnieren als Trainer oder mit meinen Kindern fahre. Also im letzten Jahr war ich nur auf vier Turnierplätzen, deshalb war die Pandemie für mich persönlich schlecht. Für unsere Hengststation lief es während der Pandemie ganz gut, dadurch dass wir mehr Zeit hatten und die Hengste zu Hause waren, haben wir die Deckzahlen fast verdoppelt im Vergleich zum Jahr 2019. Viele Leute hatten mehr Zeit und in dem Sinne war Covid 19 von Vorteil für die Hengststation. Also zusammenfassend war die Lage für mich persönlich eher schwierig aber die Decksaison 2020 hat sich ganz gut entwickelt.
Wie war es, dass die Pferde eine Zeit lang nicht wie gewohnt vorgestellt werden konnten? Wie haben Sie sich in der Zeit auf dem Hof beschäftigt, als keine Turniere stattfinden durften?
Wir haben natürlich versucht die Pferde irgendwie bei Laune zu halten. Das ist gar nicht so einfach, wenn man nur zu Hause auf der eigenen Anlage reitet, meist in der Halle aufgrund der nicht allzu optimalen Witterungsverhältnisse. Wir sind zwischendurch mal zum Parcoursspringen gefahren, aber sonst waren wir viel zu Hause, weil ja keine Turniere erlaubt waren. Aus dem Grund haben wir versucht die Pferde weiterhin möglichst gut auszubilden, so weit das ging.
Für die Pferde ist das schon nicht grade optimal. Bei den jetzt 6-Jährigen, die als alles anfing noch 5 waren, da muss man die Situation definitiv berücksichtigen.
Die Möglichkeit ins Gelände zu gehen gibt es bei uns nicht, weil der Hof mitten in der Stadt liegt, aber wir haben natürlich versucht viel draußen zu reiten. Ich sag mal so: Für die ganz Jungen, war es nicht schlecht, dass wir so viel zu Hause waren und dadurch auch viel reiten konnten. Wenn wir sonst oft auf Turnieren unterwegs sind, dann wurden die ganz jungen Pferde nicht so viel gearbeitet und geritten, aber 2020 konnten wir sie wirklich gut ausbilden.
Nur die 5- und 6-Jährigen, also die Älteren sind nicht so richtig weiter gekommen und denen fehlt jetzt natürlich etwas die Erfahrung.
In wieweit wird die Pferdewelt, Ihrer Meinung nach, auch dieses Jahr (2021) noch von der Pandemie betroffen sein?
Ich glaube, es wird in diesem Jahr auch noch nicht so viel stattfinden, wie wir das gewohnt sind. Ich glaube, dass es die Pferdebranche wirklich trifft, zumindest was Turniere angeht und was den Ausbildungsstand der Pferde betrifft. Die ganze Sache ist noch immer ein großes Problem und wird das auch in diesem Jahr noch darstellen.
Auch für die Stimmung, für die Besitzer, und im Allgemeinen - wenn keine Euphorie dahintersteckt ist die Situation schwierig.
Für die Ausbildungsställe ist es ja wichtig, dass die Pferde auf Turnier gehen und vor die Türe kommen, um was zu sehen. Viele Pferdebesitzer machen das Ganze ja auch als Hobby und aus Spaß and der Freude und wenn diese Leute dann nicht zum Turnier kommen dürfen, dann ist das schon sehr schade. Auch mit den Sponsoren ist jetzt definitiv alles schwieriger. Da müsste jetzt schon irgendwann mal eine Wende kommen.
Schätzen Sie die Lage auch so für die Decksaison 2021 ein?
Ich denke für die Decksaison 2021 werden die Zahlen wahrscheinlich wieder etwas zurückgehen. Mit dem Gedanken, weil natürlich jetzt alle Fohlen bekommen werden und auch wegen der ganzen Kosten, die damit verbunden sind. Und wenn bei vielen Leuten der Verdienst ausfällt, wer soll denn da noch die Fohlen alle kaufen? Es werden mit Sicherheit einige Züchter Schwierigkeiten bekommen die Fohlen abzusetzen, weil doch viele Leuten an's sparen denken müssen, weil ja auch noch keiner genau weiß, wie es weiter geht. Es wird dieses Jahr wohl nicht so einfach werden wie in der letzten Saison.
Bei uns wurden dieses Jahr schon die ersten Fohlen geboren und wir hatten Glück, denn die meisten von Ihnen sind jetzt schon verkauft. Jetzt läuft das noch gut, aber da werden ja noch jede Menge Fohlen nachkommen.
Light On © *Hengststation Tebbel
Sie züchten seit ca. 9 Jahren, wo sehen Sie die größte Entwicklung, bezogen auf die Springpferdezucht? Was hat sich im letzten Jahrzehnt getan?
Die Entwicklung in der Zucht liegt hauptsächlich darin, dass mehr Blutpferde gezüchtet werden und auch vor allem Pferde, die mehr Drive haben. Und die Qualität ist grade in den letzten 2-3 Jahren wieder besser geworden.
Der Hengst Light on' spielt nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre eigene Zucht eine große Rolle. Was verbinden Sie mit diesem Pferd? Was gibt er seinen Nachkommen mit auf den Weg?
Light on ist ein unheimlich ehrgeiziges Pferd und was ihm jetzt zu Gute kommt ist seine Kraft in der Hinterhand. Was ich in der heutigen Zucht ab und zu etwas bemängle ist, dass den Pferden hinten im Rücken etwas die Kraft fehlt. Wenn ich manchmal 2- bis 3-jährige Pferde beim Freispringen beobachte, ohne Gamaschen, dann fehlt vielen ein bisschen die Kraft im Rücken. Dass ist in unserer Zucht durch Light on nicht der Fall.

Light On © *Hengststation Tebbel
Er vererbt die Kraft im Rücken gut weiter. Also hinten sind die Nachkommen wirklich phänomenal, auch wenn Light on vielleicht hier und da mal ein bisschen länger im Vorderbein bleibt, aber als Sportpferde sind die meisten Nachkommen von ihm richtig gut.
Außerdem sind sie alle vorsichtig. Es sind Pferde, die am letzten Tag vom Turnier am besten sind und nicht nach 2 oder 3 Turniertagen müde werden. Man muss nicht überlegen wo man nur zwei Springen reiten kann oder wo eventuell mal drei. Es sind Pferde, die durchhalten.
Light Star ©* Hengststation Tebbel
Können Sie mir noch etwas über die jungen Talente aus Ihrem Stall erzählen, auf die Sie für die Zukunft setzen?
Auf alle Fälle gibt es da welche in denen ich noch besonderes Potential sehe. Wer sich phänomenal gut vererbt ist Dia Corrado. Seine Nachkommen sind durchweg gute Typen und haben eine super Technik am Sprung und auch viel Beweglichkeit. Der Hengst ist eine richtige Ausnahme. Also ich züchte mittlerweile ja auch schon lange genug und seine Nachkommen waren wirklich richtig gut. Aber auch die ersten zwei Nachkommen, die wir von Sandro Junior haben sind sehr vielversprechend.

Dia Corrado ©* Hengststation Tebbel

Sandro Junior ©* Hengststation Tebbel
Wenn die Pandemie langsam abklingt und alles gut läuft, wie sieht Ihr Plan für dieses Jahr aus?
Der Plan ist zu versuchen zur Olympiade mitzukommen und mein eigenes Ziel wird sein eventuell nochmal die Europameisterschaft mitzureiten und dann werde ich meine Reitstiefel auch an den Nagel hängen. Ich werde danach eher unterstützende Arbeit leisten und als Trainer fungieren, was auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Genauso wie den ganzen Hof zu Hause in Ordnung zu halten. Aber einen ganz großen Plan kann man nicht richtig machen, weil man ja nicht weiß wie unser ganzes Leben mit der Pandemie weiter geht.
Familie Tebbel ©* Hengststation Tebbel
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